Über 150 Gitarrengriffe und wie sie zu greifen sind

Übersicht der gängigsten Gitarrengriffe für Gitarren-Anfänger und Fortgeschrittene

Das Internet ist zweifellos voll mit Seiten, die uns mit Griffbilder und Gitarrengriffe zu jeweiligen Gitarrenakkorden bombardieren. Dieser Artikel soll nicht dazu dienen, in die gleiche Kerbe zu schlagen. Vielmehr ist mir darum aufzuklären, woraus ein Akkord eigentlich besteht, warum wir gewisse Anordnungen von Fingern greifen und wieso das Versprechen alle möglichen Gitarrengriffe auf der Gitarre nun zu kennen, streng genommen gar nicht realisierbar ist.

Was ist ein Akkord?

Ohne zu sehr theoretisch auszuufern, gilt es ein paar Basics über den Aufbau von Akkorden zu wissen. Prinzipiell spricht man von einem Akkord, wenn mehrere Töne gleichzeitig so klingen, dass man sie harmonisch durch den Klang allein bestimmen kann.
Hauptsächlich werden diese Töne im Abstand einer Terz aneinander gestapelt, deswegen spricht man in der Musiktheorie von einer „Terzschichtung“.
Schichten wir nun drei Töne übereinander, bekommen wir einen Dreiklang. In C-Dur würde dies dann so aussehen:

C Dur Dreiklang

Bleiben wir nun in der Tonart C-Dur, und bilden über jeden Ton dieser Tonleiter einen solchen Akkord, kristallisiert sich drei verschiedene Arten von Dreiklängen klanglich heraus. Durch die Feinabstimmung der jeweiligen Intervalle ist es möglich folgende vier Haupt-Typen theoretisch zu bestimmen:
DUR: Große Terz – Quint
Moll: Kleine Terz – Quint
Vermindert: Kleine Terz – Verminderte Quint
Übermässig: große Terz – übermässige Quint

Wenn du dich hierbei weiterbilden willst, empfehle ich klassisch, ein gutes Theoriebuch zu Rate zu ziehen:
Meine zwei „All-Time-Favorites“ sind:
ABC MUSIK von Wieland Zeigenrücker (Link: ABC Musik – Allgemeine Musiklehre – 446 Lehr- und Lernsätze (BV 309)>
) sowie die neue Harmonielehre von Frank Haunschild (Link: Die neue Harmonielehre. Ein musikalisches Arbeitsbuch für Klassik, Rock, Pop und Jazz).
Warum nun all diese Theorie? Es geht um „Emanzipation“. Dieses Theoriewissen ist in Kombination mit einer guten Orientierung am Gitarrengriffbrett (LINK POST) der Schlüssel um zu verstehen, welche Töne gegriffen werden und wie viele hunderte von anderen Möglichkeiten es für ein- und denselben Akkord gibt. Um meinen Standpunkt ein bisschen klarer zumachen, habe ich hier die Möglichkeiten aufgelistet einen G-Dur-Akkord, welche aus den Tönen g, h und d besteht, auf meinem Instrument zu spielen:

Welche Möglichkeiten gibt es Gitarrengriffe zu notieren?

Eine Eigenheit auf der Gitarre ist, dass Gitarrengriffe nur selten in Notenschrift notiert werden. Viele eher greift man hier auf Abbildungen zurück, welche den Gitarrenhals, sowie die zugreifenden Fingern gut abbilden sollen. Das Grundprinzip ist meist das selbe:
Sechs gerade Striche sollen die Saiten darstellen, im 90° Winkel sind Striche angeordnet welche die Gitarrenbünde abbilden und die Punkte stellen die zugreifenden Finger, meist nummeriert mit 1-4, da. Wichtig ist hier nur, darauf zu achten, dass die Interpretation der Darstellung von tiefer auf hoher Saite wirklich richtig interpretiert wird. Werden diese Abbildungen falsch gelesen, rede ich im Unterricht dann gerne von einem „Spiegelfehler“. Hier eine kleine Ansammlung von drei verschiedenen Arten um Gitarrengriffe aufschreiben zu können:

Horizontales Griffbild

D Dur Griffbild

Vertikales Griffbild

vertikales Gitarrengriffbild

Tabulatur inklusive Notenbild

Tabulatur inklusive Notenbild

Die wichtigsten Gitarrengriffe zum Anfangen im Überblick

Gerade am Anfang, will man verständlicherweise schnell einige Akkorde vorfinden, die leicht zum Greifen sind, nach Möglichkeit keinen Barré-Akkord beinhalten und möglichst oft verwendet werden können. Aus diesem Grund habe ich eine kleine Sammlung an „offenen“ Akkorden angelegt. Im Englischen auch “Open Chords” genannt versteht man jene Gitarrengriffe die Leersaiten beinhalten und keinen Finger brauchen, welcher über mehrere Saiten greifen muss.

Glücklickerweise gibt es gerade in der Popmusik diverse Songs die mit zwei bis vier Akkorden schon gespielt werden können. Unangefochtene Nummer 1 in meinem Unterricht ist und bleibt Lady in Black, diese Nummer besteht lediglich aus Em und D-Dur. Meine nachfolgende Open-Chords-Ansammlung wende ich in meinem Unterricht bei sehr vielen Songs an, da man mit Hilfe von Capodaster oder Transponierung des Liedes, die Tonart so anpassen kann – meist nach G-Dur bzw D-Dur – dass diese Akkorde mehrmals über verschiedene Songs angewendet werden können und so zur Festigung des Akkord-Repertoires dienen.

D-Dur:

D Dur Griffbild

Gitarrengriff D-Dur

D7:

D7-Griffbild

Gitarrengriff D7

D-Moll:

D-Moll Griffbild

Gitarrengriff D-Moll

D-Moll7:

D_Moll7 Griffbild

Gitarrengriff D-Moll7

Dsus2:

D-Sus2 Griffbild

Gitarrengriff Dsus2

Dsus4:

D-Sus4 Griffbild

Gitarrengriff Dsus4

G-Dur:

G-Dur Gitarrengriff

Gitarrengriff G-Dur

G7:

G7 Gitarrengriff

Gitarrengriff G7

Gadd4:

G add4 Gitarrengriff

Gitarrengriff G7

E-Dur:

E-Dur Gitarrengriffbild

Gitarrengriff E-Dur

E-Moll:

E-Moll Gitarrengriff

Gitarrengriff E-Moll

E7:

E7 Gitarrengriff

Gitarrengriff E7

Esus4:

Esus4 Griffbild

Gitarrengriff Esus4

E-Moll7:

E Moll7 Griffbild

Gitarrengriff E-Moll7

A-Dur:

A-Dur Griffbild

Gitarrengriff A-Dur

A7:

A7 Akkord auf der Gitarre Griffbild

Gitarrengriff A7

A-Moll:

A-Moll Griffbild

Gitarrengriff A-Moll

A-Moll7:

A-Moll7 Griffbild

Gitarrengriff A-Moll

Asus2:

A-Sus2 Griffbild

Gitarrengriff A-Moll

Asus4:

Aus4-Griffbild

Gitarrengriff Asus4

C-Dur:

C-Dur Griffbild

Gitarrengriff C-Dur

C7:

C7 Akkord auf der Gitarre Griffbild

Gitarrengriff C7

B7:

B7 Akkord auf der Gitarre Griffbild

Gitarrengriff B7

Barré Akkorde

Unter Anfängern steht’s gefürchtet, da ihnen ihr Ruf vorauseilt:
Akkorde, Bei denen mindestens ein Finger über mehrere Saiten gelegt werden muss um den gewünschten Akkord zu bekommen.

Das Wort „Barré“ kommt aus dem Französischen und lässt sich mit „gesperrt“ oder „verriegelt“ übersetzen. Wichtige Faktoren sind hierbei die richtige Stellung des Handgelenks, sowie die Verwendung der „Außenseite“ des Fingers. Solltest du noch Probleme mit dieser Art von Akkorden haben, kann ich dir nur wärmstens empfehlen, eine gute Gitarrenlehrerin/einen guten Gitarrenlehrer aufzusuchen. Diese können dir durch ihr geschultes Auge schnell Tipps bezüglich der Fingerstellung und Haltung des Handgelenks geben, damit diese Art von Akkorden über kurz oder lang genauso leicht zu greifen sind wie die oben beschriebenen “Open-Chords”. Anstatt nun für jeden Barré Akkord blind die Griffbild-Abbildung auswendig zu lernen, möchte ich dir zeigen, wie du mit bereits gelernten Akkorde spielerisch auf einen Schlag über 150 neue Akkorde herleiten kannst. Dafür unterteile ich diese Art von Gitarrengriffe in folgende drei Typen ein:

E-Typen

Die Idee ist Folgende: Für E-Dur haben wir bis jetzt die Gitarrengriffe E, Em, Esus2 und E7 gelernt. Jetzt greifen wir jeden dieser Akkorde so, dass der 1. Finger immer frei bleibt.

Gitarrengriff Barre E-Dur

Nun können wir diese vier Gitarrengriffe über das ganze Gitarrengriffbrett verschieben, um neue Akkorde zu bekommen. Verschiebe ich nun den gesamten Akkord um einen Bund und lege dann den 1. Finger am I. Bund über den ganzen Gitarrenhals bekomme ich aus einem E-Dur einen F-Dur-Akkord:

Gitarrengriff Barre F-Dur

Greife ich zuerst einen E-Moll und verschiebe diesen um einen Bund, ändert sich auch die Position des Grundtons. Diese befindet sich nun auf den Ton F. Somit ist der Akkord, den wir gerade bekommen haben ein F-Moll. Verschieben wir diesen F-Moll um einen Ganzton – also 2 Bünde – weiter bekommen wir einen Gitarrengriff für G-Moll. Um dies alles zu anzuwenden, ist es natürlich erforderlich zu wissen wo welche Töne sich auf der E-Saite befinden. Wenn du damit noch Schwierigkeiten hast, möchte ich dir meinen Artikel über Orientierung an Gitarren Griffbrett, sowie das PDF „Töne aus C-Dur auf allen 6 Saiten“ ans Herz legen. Die Kombination aus ein bisschen Theorie und Akkorde, welche du schon greifen kannst, ermöglicht es dir zwölf (chromatische Tonleiter entlang des Griffbretts: C/Db/D/Eb/E/F/F#/G/Ab/B/H) neue Varianten herzuleiten, ohne alle diese Gitarrengriffe auswendig lernen zu müssen. Für jeden dieser Töne kannst du nun einen Dur, Moll, Sus2, Dominant7 etc. – Akkord greifen, ohne ein Gitarrengriff-Lexikon zu bemühen.

E-Dur:

Barré Gitarrengriff E-Dur

F-Dur:

Barré Gitarrengriff F-Dur

E-Moll:

Barré Gitarrengriff E-Moll

F-Moll:

Barré Gitarrengriff F-Moll

E-Moll7:

Barré Gitarrengriff Em7

A-Moll7:

Barré Gitarrengriff A-Moll7

E7:

Barré Gitarrengriff E7

B7:

Barré Gitarrengriff B7

Zur Kontrolle und Verständlichkeit hier eine Abbildung der Töne auf der E-Saite, auf der sich der Grundton der folgenden Akkorde befindet:

chromatische Töne auf der E-Saite

A-Typen

Doch nicht nur die offene „E-Akkorde“ sind verschiebbar. Für A-Dur, A-Moll, Asus2, Aus4, A7 gilt das gleiche Prinzip. Diesesmal greifen wir einen bereits gelernten A-Dur-Akkord wieder so, dass der Zeigefinger der linken Hand frei bleibt. Wir verschieben wieder den gesamten Gitarrengriff, dieses Mal um 3 Bünde, und bekommen einen C-Dur-Gitarrengriff in der III. Lage:

A-Dur:

Barré Gitarrengriff A-Dur

C-Dur:

Barré Gitarrengriff C-Dur

Würden wir einen C-Moll benötigen, müssten wir nur das jeweilige Shape so verändern, dass es dem A-Moll-Gitarrengriff entspricht:

A-Moll:

Barré Gitarrengriff A-Moll

C-Moll:

Barré Gitarrengriff C-Moll

D-Typen

Für diejenigen die sich mit den zwei Typen auseinandergesetzt haben, hier noch der Vollständigkeithalber ein paar Bsp. für Barré-Gitarrengriffe die auf dem Shape von D-Dur basieren. Diese Art von Barré-Akkorden verwende ich persönlich im Unterricht und im eigenen Spiel relativ selten, kommen mir allerdings immer wieder in der „freien Wildbahn“ (zum Beispiel bei John Frusciante oder Ted Greene) unter und deswegen möchte ich auch diese dir nicht vorenthalten. Hast du noch keine Erfahrung mit diesen Gitarrengriffen benötigen es einiges an Zeit und Gelduld bis die Streckung der Finger problemlos funktioniert.

Hier zur Veranschaulichung ein paar Herleitungs Beispiele:

D-Dur:

D-Dur Barré

E-Dur:

E-Dur Barré

D-Moll:

D-Moll Barré

F-Moll:

F-Moll Barré

D-Moll7:

D-Moll7 Barré

G-Moll7:

G-Moll7 Barré

Gitarrengriffe selbst herleiten

Ist man mi der Mehrheit der A-/E- und D-Typen vertraut, kommt einem die Erkenntnis, dass es doch erheblich mehr Möglichkeiten gibt einen einzigen Akkord zu greifen, als man das anfangs für möglich gehalten hat. Je mehr Variationen und Umkehrungen ich kennen und greifen lernte umso wichtiger habe ich es empfunden meine „eigenen“ Akkorde zu finden. Also solche, die ich geschmacklich am besten fand. Somit bedarf es eines neuen Blickwinkels auf meine Gitarrengriffe und wie ich sie bisher benutzt hatte. Im Laufe der Zeit sind für mich folgende Herangehensweise bewährt:

Akkordtöne auf Griffbild-Suche

Angenommen du willst dein Repertoire an Maj7-Akkorden erweitern, da die bisher gelernten Gitarrengriffe sich schon so auf deine geistige Festplatte gebrannt haben, wird es nun Zeit sich neuen Möglichkeiten und Klängen zu widmen. Oder du hast eine spezielle Akkordfolge die deiner Meinung nach noch besser mit anderen Voicings klingen könnte. Ich setzte hier mal voraus, dass du theoretisch weißt aus welchen Tönen der gewünschte Zielakkord besteht. Für Bbmaj7 hätten wir die Töne „Bb“, „D“;“F“ und „A“. Jetzt suche ich mir ein „D“ meiner Wahl am Gitarren-Griffbrett aus – zum Beispiel VII. Bund auf der g-Saite.

Auf die schnelle sind mir folgende sechs „greifbare“, also unter Berücksichtigung der physiologischen Gegebenheiten unserer Finger, Ideen für Bbmaj7-Voicings eingefallen, welche die Terz am VII. Bund auf der g-Saite haben:

Man erkennt also relativ schnell, dass man mit einer Kombination aus Theoriewissen und Kreativität, man sich selbst unglaublich viele Voicings herleiten kann um so seine Akkord-„Lieblinge“ zu finden. Am Ende des Tages, soll es ja darum gehen, sich selbst und seine Klangvorstellungen ausdrücken zu können.

Akkorde durch Griffbild-Suche

Angenommen du willst dein Repertoire an Maj7-Akkorden erweitern, da die bisher gelernten Gitarrengriffe sich schon so auf deine geistige Festplatte gebrannt haben, wird es nun Zeit sich neuen Möglichkeiten und Klängen zu widmen. Oder du hast eine spezielle Akkordfolge die deiner Meinung nach noch besser mit anderen Voicings klingen könnte. Ich setzte hier mal voraus, dass du theoretisch weißt aus welchen Tönen der gewünschte Zielakkord besteht. Für Bbmaj7 hätten wir die Töne „Bb“, „D“;“F“ und „A“. Jetzt suche ich mir ein „D“ meiner Wahl am Gitarren-Griffbrett aus – zum Beispiel VII. Bund auf der g-Saite.

Ton d auf der Gitarre

Auf die schnelle sind mir folgende sechs „greifbare“, also unter Berücksichtigung der physiologischen Gegebenheiten unserer Finger, Ideen für Bbmaj7-Voicings eingefallen, welche die Terz am VII. Bund auf der g-Saite haben:

Gitarrengriff für Bbmaj7

Gitarrengriff für Bbmaj7

Gitarrengriff für Bbmaj7

Gitarrengriff für Bbmaj7

Gitarrengriff für Bbmaj7

Gitarrengriff für Bbmaj7

Man erkennt also relativ schnell, dass man mit einer Kombination aus Theoriewissen und Kreativität, sich selbst unglaublich viele Voicings herleiten kann um so seine persönlichen Akkord-„Lieblinge“ zu finden. Am Ende des Tages, soll es ja darum gehen, sich selbst und seine Klangvorstellungen durch das persönliche Gitarrenspielen ausdrücken zu können.

Resümee

Zum Abschluss noch eine kleine Anmerkung:

Der Weg von “handelsüblichen” offenen Akkorden bis hin zur Herleitung seiner eigenen Gitarrengriffe ist intensiv und meist auch mühsam, jedoch alle Mühe wert. Wichtig ist, sein eigenes Tempo zu akzeptieren und sich über die kleinsten Fortschritte zu freuen und nach Möglichkeit auch theoretisch zu hinterfragen, was man gerade greift um sich so nicht abhängig von einzelenen Gitarrengriffen zu machen.

Hoffe sehr, dass für dich einiges dabei war und du nun einen groben Überblick über Konzepte für Gitarrengriffe bekommen hast. Falls dir etwas zu diesem Thema fehlt freue ich mich über Feedback in der Kommentar-Spalte. In diesem Sinne wünsche ich erfolgreiches Üben auf deiner Gitarre.

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