Einstieg in die Hybrid-Picking-Technik

In meinen Anfängen als Gitarrist gab es immer wieder die Situation, dass ich zwischen Pick und der “Fingerstyle”- Technik wechseln musste. Ich jammte damals mit meinem ehemaligen Lehrer über einen leichten Jazz-Standard (zum Beispiel “Blue Bossa”). Das Thema hat ich mir gut eingeprägt. Auch das Solo lief für mich ganz in Ordnung, doch dann folgte der Wechsel auf das Fingerstyle-Begleit-Pattern, mit welchem ich meinen Lehrer begleiten sollte. Folgende Fragen stellten sich mir: Wo sollte ich das Pick platzieren? Auf meinen Oberschenkel? Logischerweise ist das nur eine Option wenn man sitzt. Verkrampft in der Hand verstecken? Oder, die eher unhygienische Variante, es mit den Lippen festhalten? Irgendwie musste es doch eine patente Lösung geben.

10 Jahre später fing ich an die Erkenntnisse und Übungen, die ich durch meine Professoren auf der Akustikgitarre gewann mit dem Pick zu vermischen, um dann zu erkennen, dass diese Art des Greifens viele E-Gitarristen schon anwenden, nur Literatur gab es bisher noch wenig. Die meiste Arbeit zu diesem Thema hat sich bis jetzt der südamerikanische Gitarrist Gustavo Assis-Brasilgemacht. Sein Einsteigerwerk Hybrid Picking for Guitar verhalf mir, mich den Grundlagen ausführlich dieser Technik, zu widmen.

Die Idee beim Hybrid-Picking ist eigentlich simpel: Die überwiegende Mehrheit der klassichen Gitarrenliteratur wird mit p, i, m und a gespielt, also Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger. Da durch die Haltung des Plecks sowohl Daumen wie Zeigefinger benötigt werden, verwendete ich nun auch den kleinen Finger, der als “c” bezeichnet wird, und versuchte Übungen der klasischen Gitarre auf die Hybrid-Picking-Technik zu adaptieren.

Legende der rechten Hand:

Zur besseren Veranschaulichung habe ich eine kleine Zeichnung der Hand inklusive Bezeichnungen gemacht:

Abbildung rechhte Hand Bezeichnung p m a c

Die nachfolgenden Übungen dienen dazu, die Finger der rechten Hand zu stärken und sich an diese neue Art der Bewegung zu gewöhnen. Der Einfachheithalber habe ich deswegen auch nur alles mit offenen Saiten aufgeschrieben. Versuche die folgenden Übungen auch mit abgedämpften Saiten oder greife verschiedene Akkordprogressionen mit der linken Hand um diese Einsteigerübungen zu variieren.

Speziell am Anfang war es für mich wichtig langsam, dafür aber kontrolliert, jeden Ton anzuspielen um ein solides technisches Fundament zu bilden, welches mir später half Geschwindigkeit und Kontrolle aufzubauen.

Übung #01

Die erste Übung basiert auf einer kontinuierlichen “Downstroke-c-a-m”-Abfolge. Versuche den Fokus darauf zulegen, dass jeder angespielte Ton in der selben Lautstärke angespielt wird.

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 01

Variation A:

In dieser Variation ändert sich die Positionierung von Mittel-, Ring- und kleinem Finger, während man mit dem Pick die jeweils die E-Saite anspielt.

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 01 Variation 01

Variation B:

Abschließend gibt es einen kleinen Rollentausch: Im Gegensatz zu Variation A wechselt nun das Pick seine Position.

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 01 Variation 02

Die restlichen 3 Übungen basieren auf dem selben Prinzip. Es gibt immer eine Grundabfolge der rechten Hand, welche eingehalten wird. Die darauffolgenden Variationen verändern dann jeweils die Position von Pick oder den restlichen Fingern:

Übung #02

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 02

Variation A:

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 02 Variation 01

Variation B:

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 02 Variation 02

Übung #03

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 03

Variation A:

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 03 Variation 01

Variation B:

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 03 Variation 02

Übung #04

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 04

Variation A:

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 04 Variation 01

Variation B:

Beginner Übung Hybrid Picking Gitarre 04 Variation 02

Anmerkung zum Einstieg in diese Gitarrentechnik:

Gerade wenn man im Fingerstyle-Bereich einiges an Erfahrung sammeln konnte, jedoch der kleine Finger der rechten Hand immer zu kurz kam, kann es am Anfang ziemlich frustrierend sein diesen auszubilden. Bei mir fehlte es an Gefühl und somit auch an Koordination. Während die anderen Finger schon auf einem halbwegs passablen Stadium waren fühlte sich mein kleiner Finger eher “verkümmert” an. Das Ergebnis ist es allemal wert sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hybrid Picking ermöglicht einem auf ein ganz neues Level zu kommen. Egal ob es um weite Intervalle, simultan klingende Voicings oder Duo-Comping geht. Zu diesen speziellen Themen, die diese Art des Anschlages beinhalten, werden noch weiter Blogeinträge folgen. Bis auf weiteres Wünsche ich viel Erfolg mit diesen Einsteigerübungen.

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