Legato auf der Gitarre

Legato zu spielen, bedeutet prinzipiell dem Abstand zwischen den hintereinander gespielten Töne auf Null zu halten. Somit sollte eine Melodie-Linie gelingen die nahtlos von einem in den anderen Ton übergeht Das setzt einiges voraus. Vor allem über eine hohe Kontrolle beider Hände.
Das Gegenteil davon ist in der Musik bekannt als „Staccato“, hier wird bewusst jede Note scharf und kurz angespielt.

Im Gitarrenkontext kann, gerade wenn es sich um das „Legato-Spiel“ dreht, es sich um eine kontrollierte Kombination aus Picking der rechten Hand und „Hammer-On‘s“ und „Pull-Offs“ in der linken Hand handeln. Um beide Auslegungen dieses Überbegriffes soll es in diesem Eintrag gehen. Solltest du zuvor noch nie etwas mit dieser Art von kontrollierten Hammer On’s und Pull Off’s zutun gehabt haben, würde ich dir empfehlen dies nachzuholen, um danach meine Tipps für ein flüßigeres Legato-Spiel nutzen zu können.
Nach jahrelangem Üben und Beobachtung von anderen Gitarristen haben sich für mich einige Tipps herauskristallisiert, welche mir halfen meine Legato-Linien auf ein besseres Level zubekommen. Diese Erkenntnis möchte ich nun hier gerne mit dir teilen.

Distanz der Finger zum Griffbrett

Halte die Finger immer so nah wie möglich am Griffbrett, gerade wenn diese nicht greifen müssen. Ich selbst hatte leider immer diese komische Angewohnheit einen Finger wegzuspreizen wenn dieser nicht mehr greifen musste. Einige Jahre spielte ich so meine Linien ohne, dass mich jemand darauf aufmerksam gemacht hatte. Doch irgendwann kommt dann der Punkt an dem man sein Legato-Spiel mehr auf Geschwindigkeit bekommen möchte und da zählt dann jeder Millimeter Distanz der zu viel zwischen Finger und Saite ist. Nicht nur die Geschwindigkeit und Flüssigkeit deines Legato-Spiels leidet, sondern auch die Intonation. Man erzeugt ab einer gewissen Distanz Hammer-Ons die wiederum kleine Bendings verursachen. Dies führt dann zu minimalen Stimmungsproblemen. Probiere es selbst aus: Spiele einen Hammer-On auf einer Note deiner Wahl und dann spielst du diese nochmal in normaler Weise an. Hör genau zu und versuche auf das „Mini“-Bending den Fokus zulegen. Ein weiterer schöner Nebeneffekt ist, dass die Legato Linien immer geschmeidiger und flüssiger werden, dies führt wiederum dazu, dass du schneller Geschwindigkeit aufbauen kannst.

Rhythmische Klarheit und stetige Tondauer

Gerade wenn Schülerinnen und Schüler mit Hammer-On’s und Pull-Off’s starten sind sie meist in einem Art Stressmodus. Anstatt konstante Bewegungen durchzuführen versuchen sie aufgrund dieser neuen Herausforderung mit möglichst viel Kraft die Finger auf das Griffbrett zu hämmern oder abzuziehen. Anfangs ist das vollkommen normal, doch je mehr man sich mit dieser Spielweise vertraut macht, umso mehr muss man darauf achten die Töne möglichst so zum Klingen zu bringen, wie wenn man diese mit dem Pick anschlagen würde. Ansonsten führt es zu eigenartigen rhythmische Resultaten, meist auch deswegen, da viele noch nicht „schnell hören“ können. Anstatt einer 16tel- Notenkette hören sie einen Sturm an Noten die in einem rasanten Tempo gespielt werden. Das machen sie dann auch so gut sie können nach. Umso wichtiger ist es mir so schnell in einem gemütlichen Tempo konstante Noten mit Hammer-On und Pull-Off’s zu erzeugen. Unser ständiger Begleiter im Unterricht, und hoffentlich auch zu Hause, bleibt das Metronom. Aber nicht nur als Anfänger kann man hier seine Fähigkeiten verbessern. Wer seine technisch komplizierten Linien in der Hälfte des bisherigen Tempo rhythmisch exakt und schön klingend spielen kann, wird auch im vermeintlich „rasanten“ Tempo keine Probleme damit haben, dass Licks oder Linien rhythmisch gut klingen werden, da man den eigenen Ohren auch Chance gibt mit diesen Herausforderungen zu wachsen und schnellere Linien auch kritischer bewerten zu können.

Geschwindigkeit der Greifhand

Auf Youtube findet man einen Mittschnitt einer Masterclass des Gitarristen Kurt Rosenwinkel, in dem er seine Gedanken zum Thema „Legato“ erörtert:

 

Eine seiner Hauptaussagen ist die Tatsache, dass die Geschwindigkeit in der ein Ton mit der Greifhand gegriffen wird immer die selbe ist. Egal wie schnell das Tempo des Songs ist. Es ist egal ob du 16tel Triolen auf Tempo 200 BPM oder Halbe Noten im Balladen Tempo spielst. Der Vorgang des Greifens ist immer mit der selben Geschwindigkeit zu vollziehen. Was sich ändert ist der Zeitpunkt, wann du zum „Umgreifen“ beginnst. Das heißt, je mehr du an diesem Greifvorgang und Synchronisation der rechten und linken Hand arbeitest, umso besser wird dein Legato-Spiel im Allgemeinen, also egal ob du jetzt mit Hammer-On und Pull Off’s arbeitest oder nicht.

An dieser Art von Geschwindigkeit kann man zum Beispiel folgender weise arbeiten:
Ich suche mir zwei Noten aus, zum Beispiel „f1“ und „f#1“, und verwende nun jede Fingerkombination (1-2, 1-3, 1-4, 2-3, 2-4, etc.) die mir einfällt, um diese Tonfolge zu spielen. So versuche ich herauszufinden welche Finger noch mehr Übung benötigen. Zuerst ist das Ziel alle Finger meiner Greifhand auf ein Einheitliches Niveau zu bekommen um dann später an der Geschwindigkeit zu arbeiten.

Legato Spiel als Ausdauersport

Gerne betrachte ich Gitarrespielen an sich als Ausdauersport für die Finger, speziell wenn es um Legato geht. Im Laufe der Zeit sind mir einige Übungen untergekommen die mir versprachen möglichst schnelle meine „Fingermuskel“ zu trainieren. Abgesehen davon, dass die Finger hauptsächlich von Sehnen gesteuert werden, musste ich schnell einsehen dass der „No Pain – No Gain“-Ansatz auf der Gitarre nicht funktioniert. Wenn du dich selbst zu sehr quälst erzeugt das, über kurz oder lang, Probleme mit deinen Fingern. Weniger ist mehr, dafür aber regelmäßig. Binde dein Legato Programm fix in deinen Übealltag ein und versuche auf deinen Körper zu hören. Wenn du merkst, dass du am Limit bist unterbreche die Übe-Session und gönne deinen Fingern ein bisschen Entspannung und Zeit zum Regenerieren.

Ich persönlich mache meine Legato-Übungen gerne auf einer Nylon- oder Steelstring-Gitarre, da die Saiten dicker sind und es mehr Kraft braucht um diese Übungen gut zu spielen. Diese erschwerten Bedingungen ermöglichen mir dann am nächsten Tag, dass die Linien auf der elektrischen Gitarre sich gleich doppelt so gut anfühlt. Da sich bei diesem Übungsansatz oftmals meine Finger komplett auspowern können und ich nach nachher eine Pause benötige, hänge ich diese „Legato-Workout“-Übung immer erst am Ende meines Übeprogramms an.

Legato Einsteiger Übungen in G-Dur

Hier noch eine simple Skalen Übungen in G-Dur zum Thema mit ihren Variationen um diese Tonleiter über das ganze Griffbrett anwenden zu können.

Legato Übung #1

Legato Gitarre Übung 1

Legato Übung #2

Legato Gitarre Übung 2

Legato Übung #3

Legato Gitarre Übung 3

Legato Übung #4

Legato Gitarre Übung 4

Legato Übung #5

Legato Gitarre Übung 1

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